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Urban Art: Kunstwerke

Die Entwicklung der Urban Art vom illegalen Graffiti bis zur legalen und anerkannten Street Art haben verschiedenen Ausdrucksformen hervorgebracht und lassen sich abhängig von ihrem Entstehungskontext und der hinter dem Kunstwerk liegenden Intention in die folgenden Kategorien einteilen:

Partizipationsprojekte

In Partizipationsprojekten werden städtische Wandflächen gemeinsam mit verschiedenen Gruppen der Stadtgesellschaft zu einem Thema gestaltet. Im Mittelpunkt steht hierbei nicht unbedingt die künstlerische Qualität, sondern dass die partizipierenden Gruppen die Möglichkeit erhalten sich bei der Gestaltung des Stadtraums zu beteiligen und sich dabei Sichtbarkeit verschaffen. Da diese Gruppen häufig aus dem Stadtraum stammen, in dem die Projekte umgesetzt werden, fördert das die Identifikation mit dem öffentlichen Raum und stärkt die Gemeinschaft sowie Nachbarschaft. Koordiniert werden diese Projekte häufig von (ehemaligen) Graffiti-Artists. Die darüber hinaus beteiligten Akteure variieren dabei von Projekt zu Projekt.

Kunstprojekte

In Kunstprojekten entstandene Arbeiten sind häufig von Künstler/-innen initiierte und legale Auseinandersetzungen mit dem öffentlichen Raum. Sie haben den Anspruch durch künstlerische Qualität eigene Akzente im Stadtraum zu setzen und Diskussionen anzuregen. Die Projekte sind dabei nicht immer auf Dauerhaftigkeit angelegt. Die Künstler/-innen bedienen sich häufig des Murals als künstlerische Technik. Durch die Gestaltung von großformatigen Wandflächen erzeugen sie dabei Aufmerksamkeit.

Private Auftragsgestaltungen

Die Grenzen zwischen Kunstprojekten, privaten und öffentlichen Auftragsgestaltung sind teilweise fließend. Bei Auftragsgestaltungen werden die Motive jedoch häufig von den Auftraggeber/-innen vorgeschrieben. Dabei steht nicht unbedingt der/die ausführende Künstler/-in im Fokus. Die Gestaltung hat vordergründig keinen künstlerischen Anspruch, sondern den Zweck Gebäude oder andere öffentliche Flächen dekorativ aufzuwerten.

Öffentliche Auftragsgestaltungen

Öffentlichen Auftragsgestaltungen haben ebenfalls den Zweck Flächen des öffentlichen Raums durch künstlerische Gestaltung aufzuwerten. Noch stärker als bei privaten Auftragsgestaltungen steht herbei jedoch die kuratierte Umsetzung im Mittelpunkt. Dabei wird sich nicht nur mit dem Ort, sondern auch mit den möglichen Motiven konzeptionell auseinandergesetzt und im besten Fall der/die ausführende Künstler/-in über einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb gefunden.

In Frankfurt (Oder) gibt es sechs legale Graffiti-Flächen, die von der Szene frei und legal besprüht werden können. Hier haben sie die Möglichkeit über einen längeren Zeitraum an einem Werk zu arbeiten. Zugleich sind diese Flächen durch Dynamik geprägt, denn es entstehen immer wieder neue Arbeiten, so dass diese Flächen zu einer öffentlichen Galerie werden.

Graffiti Szene

Die Ursprünge der Graffiti-Szene in Frankfurt (Oder) gehen in die frühen 1990er-Jahre zurück und sind seitdem eng mit der Skater-, BMX-, Punk-, Metal-, Elektro- & Hiphop Szene der Stadt verbunden. Inspiriert von Graffiti-Writern aus Berlin verbreitete sich diese Kunstform schnell in den Frankfurter Stadtteilen, wo sich vor allem Jugendliche, die sich bewusst der rechten Szene entgegensetzten, in Crews zusammenfanden. Diese Subkultur gab sich den Namen bzw. das Erkennungszeichen 1200 (Alte Schule), die ehemalige Postleitzahl ihrer Heimatstadt.

Die Kürzel/Pseudonyme der verschiedenen Crews sind bis heute an den Legal Plains (legale Graffiiflächen ohne Auflagen), Hauswänden und im Umfeld früherer Treffpunkte der Szene, wie der KuFa (Kulturfabrik) in den Gerstenberger Höfen, den ehemaligen Jugendclubs oder Skateanlagen, wie der ehemaligen Skatehalle in der Bachgasse, zu erkennen.

Die enge Verbindung und der Austausch mit Crews aus anderen Städten war und ist ein weiterer, wesentlicher Bestandteil der Szene und wurde in Frankfurt (Oder) mit Netzwerken zu polnischen Writer vertieft. Diese Art der Vernetzung ist eine nennenswerte Besonderheit der Szene in Frankfurt (Oder), wo es doch zur gleichen Zeit, in großen Städten wie Berlin, um das Battle unter den Crews ging. Ein wichtiger Wegbereiter dafür war MYA, der als einer der ersten den Kontakt nach Słubice suchte und mit den dortigen Writern aktiv war.

Mittlerweile haben bereits vier Generationen ihre (illegalen) Spuren in der Stadt hinterlassen. Ergänzt werden diese seit Mitte der 1990er-Jahren durch zahlreiche legale (Auftrags-)Arbeiten von Artists & Writern der verschiedenen Generationen, die diese künstlerische Auseinandersetzung mit dem Stadtraum in Teilen zum Beruf machten und/oder auf partizipative Beteiligungsformen in der Arbeit mit interessierten Jugendlichen und Erwachsenen setzen. 2020 gaben Writer und Artists der ersten Generation das Buch „1200“ heraus und informieren über die Entwicklung der Gaffitiszene in Frankfurt (Oder).