Urban Art
Zur Kunst im öffentlichen Raum bzw. Stadtraum zählen nicht nur die etablierten Kunstformen, wie baugebundene künstlerische Ausgestaltungen, Denkmäler oder Auftragskunstwerke und Arbeiten, die im Rahmen von Kunstwettbewerben entstanden sind. Individuelle künstlerische Auseinandersetzungen mit dem öffentlichen Raum sind allgegenwertig, finden sich in jeder Ecke einer Stadt wieder und müssen nicht nur von etablierten Künstler/-innen stammen. Auch Graffitis und Street Art sind ein Teil dieser Kunstform und tragen, ob legal oder illegal entstanden, zum Aussehen und der Identität der Stadt bei.
Als Ort der Öffentlichkeit und unmittelbaren Verfügbarkeit eignet sich der Stadtraum besonders dafür künstlerische Spuren in Form von Aneignung des Raums oder Sichtbarmachung der eigenen Ideen zu hinterlassen. Auch wenn diese Spuren nicht immer im Bereich des Legalen liegen, sind sie als künstlerische Ausdrucksformen anzuerkennen. Urban Art ist dabei ein Begriff, der die verschiedenen Strömungen der künstlerisch freien Ausgestaltung des öffentlichen Raums zusammenfasst. Während Denkmäler und Auftragskunstwerke auf Langlebigkeit ausgelegt sind, ist Urban Art von Vergänglichkeit, Schnelllebigkeit und Wandel geprägt. Vor allem jedoch ist sie lebendig, vielfältig und nicht immer sofort für jeden verständlich.
Urban Art ist als Oberbegriff zu verstehen, der die verschiedenen Ausdrucksformen künstlerischer Gestaltung des öffentlichen Raums vereint und dabei versucht zwischen dem Charakter der Illegalität sowie Subkultur, die diese Kunstform oft mit sich trägt, und einer etablierten Kunstform zu vermitteln. Die Grenzen zwischen den bekanntesten Kunstformen - Graffiti, Street Art sowie Urban Art - sind dabei fließend. So sind Graffiti-Artists/-Writer bspw. heute oft als Urban Artists tätig.
Als wohl bekannteste Kunstform von Urban Art ist die Graffitiszene anzusehen, da sie im gesamten öffentlichen Raum auftritt und durch ihre illegale Umsetzung häufig negative Assoziationen und Unverständnis bei Betrachtenden herruft, die sich mit dieser Szene nicht beschäftigen. Ihre Ursprünge hat das Graffiti in der Hip-Hop-Kultur und entwickelte sich seit den 1970er-Jahren. Sie ist gekennzeichnet durch die Verbreitung eines kunstvoll ausgestalteten Tags (Schriftzug des Pseudonyms des Artists/Writers). Dabei stehen die Ästhetik, das Design und der Wiedererkennungswert der Schrift im Fokus. Sie sind als urbane Selbstinszenierung zu verstehen und ein Ausdruck in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen, wobei die Bedeutung der Tags häufig nur von Mitgliedern der Subkultur selbst verstanden wird. Da sie illegal angebracht werden, agieren die Artists/Writer zum großen Teil anonym.
Eine weitere Form der Urban Art ist die Street Art, die von der Graffiti-Szene inspiriert ist, sich von dieser vor allem durch die Intention und Umsetzung unterscheidet. Die Artists nutzen den öffentlichen Raum um ein breites Publikum anzusprechen und mit ihren Kunstwerken Diskussionen über aktuelle Themen anzuregen oder zur Unverwechselbarkeit von Orten beizutragen und auf diese Weise einen Ort der Identifikation zu schaffen. Dabei werden auch weitere Ausführungstechniken, wie Sticker, Stencils oder Murals genutzt. Die Artists sind häufig etablierte Künstler/-innen, die auch im Rahmen von Aufträgen ihre Werke schaffen.
Ebenso vielfältig wie die Intention der Artists und Motive sind in der Urban Art die verwendeten Stilmittel und Techniken. Beim Graffiti werden die Tags und Schriftzüge häufig mit Sprühdosen aufgetragen. Der Auftrag von großformatigen Motiven mit Malerrollen erzeugt einen andere Farbstruktur als die Nutzung von Sprühdosen und wird Roll-Up genannt. Beim Scratching wird dagegen auf Farbe verzichtet, denn die Tags und Schriftzüge werden in verschiedenen Materialien wie Glas, Stahl oder Plastik eingekratzt. Auch beim Reverse-Graffiti steht die Farbe nicht im Fokus, hierbei wird mithilfe von Reinigungsmitteln in stark verschmutzte Oberflächen das Motiv eingearbeitet. Beim Stencil werden die Motive mithilfe einer Schablone aufgetragen. Aber auch Sticker, Guerilla Knitting, bei dem Objekte umstrickt werden, oder Paste-Ups, bei dem vorher gestaltete Plakate oder Motive mittels Leim im öffentlichen Raum angebracht werden, gehören zu den Stilmitteln.