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Kunst der DDR

Kunst im Stadtraum ist eine der ältesten und öffentlichsten Kunstformen. Sie geht eine enge Beziehung zur Architektur und dem Stadtraum ein. Zu DDR-Zeiten nahm diese Kunstform daher eine wichtige Rolle im Aufbau der Städte ein. In Frankfurt (Oder) gibt es ca. 200 Kunstwerke im öffentlichen Raum, davon stammt ein großer Teil aus dieser Zeit.

In der DDR wurde diese Kunstform zu einem festen Bestandteil im Städtebau, indem bereits 1950 beschlossen wurde, 1-2 % der Bausumme für die Schaffung von Kunst einzusetzen. Dabei kam der Kunst eine appellatorische Funktion zu, die sich darin ausdrückte, den Aufbau des Sozialismus und des neuen Gesellschaftssystems durch politisch-ideologische Botschaften zu fördern.

Während zu Beginn der 1950er-Jahre auch die Wohnkomplexe bzw. Wohngebäude im Stil der nationalen Bautradition entstanden und somit das baukünstlerisch „schöne Bauen“ ein fester Bestandteil des Städtebaus waren, musste sich das Verhältnis zwischen Architektur und Kunst ab der zweiten Hälfe der 1950er-Jahre aufgrund der zunehmenden Industrialisierung des Bauens neu organisieren. Fortan war der Städtebau und damit die Architektur der von Rationalisierung und Industrialisierung geprägten Bauindustrie unterstellt, während die bildende Kunst dem Kulturministerium zugeordnet wurde. Eine qualitätvolle Synthese von Architektur und Bildender Kunst wurde daraufhin sowohl in Theorie als auch Praxis gefordert. Synthese bedeutet in diesem Kontext nicht nur die in einem Gesamtkonzept gemeinsam projektierte Architektur und Kunst, sondern auch die additive Verbindung, welche durch das Hinzufügen von Kunst an Architektur geprägt ist. Es sollten ganzheitliche, funktionell und strukturell durchgestaltete Räume geschaffen werden, die zur Bildung eines sozialistischen Bewusstseins beitragen.

Die Versuche eine Synthese zwischen den beiden Disziplinen zu schaffen, zeigten sich in den 1960er-Jahren zunächst im Aufbau der Stadtzentren. Bildkunstkonzeptionen erhielten als Teil der Bebauungspläne von städtebaulichen Ensembles Eingang in die Stadtplanungspraxis. Die Bildende Kunst hatte die Aufgabe das sozialistische Leben widerzuspiegeln. In diesem Sinne wurden in den Stadtzentren vor allem Wandgestaltungen zur Stadt- und Machtinszenierung gestaltet.

Mit der Lösung der Wohnungsfrage in den 1970er-Jahren verlagerte sich das Baugeschehen zunehmend in die Schaffung von komplex angelegten Neubauwohngebieten. Nun kamen die zuvor in den Stadtzentren angewendeten Bildkunstkonzeptionen in den Wohnkomplexen zum Einsatz. Hier wurde die Kunst dazu eingesetzt, um der durch die Typisierung von Wohnungen und Gebäude entstandenen Monotonie entgegenzuwirken. Die zentral angelegten Gesellschaftsbauten wurden weiterhin mit Themen, die die politisch-ideologischen Ideen des Sozialismus unterstrichen, ausgestattet. Darüber hinaus wurden Räume der Erholung und Freizeit geschaffen, in denen das Alltagsleben gezeigt sowie heiter-optimistische Motive gewählt wurden. Bis in die 1980er-Jahre entwickelte sich dadurch eine Vielzahl an unterschiedlichen Ausdrucksformen und Motiven für Kunstwerke im öffentlichen Raum. Dabei entstanden neben den staatstragenden, agitatorischen Werken auch eine Vielzahl an freien künstlerischen Arbeiten.