ZEITRÄUME
Ein Überblick von Karten und Bildmaterialien verortet die Straße in Raum und Zeit.
Die künstlerisch ausgestaltete Große Scharrnstraße, wie wir sie heute als Fußgängerzone kennen und nutzen, entstand Ende der 1980er-Jahre. Nur mit einem Blick zurück auf die damalige Situation und ihre Vorgeschichte lassen sich die “Bau(t)räume”, die besondere Verschränkung von Bau und Kunst sowie ihre symbolische Bedeutung verstehen.
Ein Überblick von Karten und Bildmaterialien verortet die Straße in Raum und Zeit. Die überlagerten Karten zeigen die verschiedenen Zeitschichten: Die ehemals dichte Bebauung vor dem Zweiten Weltkrieg wird durch eine dazu im Kontrast stehende lockere Bebauung in den 1960er-Jahren überdeckt. Die Nachverdichtung zur Fußgängerzone Ende der 1980er-Jahre ist ein Versuch der Annäherung an den historischen Zustand.
-
© Ausschnitte aus "Stadtentwicklung im Kartenbild, Frankfurt (Oder) - 1700 bis heute" Stadtplanerei BLOCHPLAN
-
© Ausschnitte aus "Stadtentwicklung im Kartenbild, Frankfurt (Oder) - 1700 bis heute" Stadtplanerei BLOCHPLAN
-
© Ausschnitte aus "Stadtentwicklung im Kartenbild, Frankfurt (Oder) - 1700 bis heute" Stadtplanerei BLOCHPLAN
DIE GROSSE SCHARRNSTRASSE
Die Große Scharrnstraße mit angrenzender Schmalzgasse und Kleinen Oderstraße war das Kernstück der “innerstädtischen Nachverdichtung” mit Plattenbauten in den 1980er-Jahren. Den Stadtplanern ging es darum, eine erlebnisreiche Flaniermeile mit interessanten, vielfältigen Räumen und Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen. Die Frankfurter Innenstadt sollte lebhafter werden und ein neues Gesicht erhalten. Die Kunst im öffentlichen Raum war ein Teil dieser Konzeption.
DIE GROSSE SCHARRNSTRASSE IN DER VORKRIEGSZEIT
Anfang des 20. Jahrhunderts war die Große Scharrnstraße als zentrale städtische Achse ein beliebtes Postkartenmotiv. Sowohl an den Grundriss als auch an das “Konzept” der historisch wichtigsten Handelsstraße Frankfurts mit ihren vielen Läden wollte das Büro für Stadtplanung mit der Nachverdichtung in den 1980er Jahren anschließen.
NEUBEBAUUNG IN DEN 1960ER-JAHREN
Die Perspektive ist fast identisch, aber zeigt ein ganz anderes Stadtbild. Infolge des Zweiten Weltkriegs war die Große Scharrnstraße der Vorkriegszeit vollständig zerstört worden. Anfang der 1960er Jahre wurde sie ganz anders wieder bebaut: längs zur ehemaligen Straßenführung entstanden für diese Zeit typische Wohnblöcke als Zeilenbauten. Die Straße hatte durch Zerstörung und Umbau ihren ehemals geschäftigen Handelscharakter verloren.
NACHVERDICHTUNG IN DEN 1980ER-JAHREN
Die geschichtsbewusste Nachverdichtung der 1980er-Jahre nannte man “Stadtreparatur”. Architektonisch zeigt sie sich in den angepassten Gebäudehöhen, den schrägen Dächern und den kantig gegliederten Fassaden der Häuser. Gerade im Vergleich mit Wohnkomplexen wie z.B. Neuberesinchen, die in den 1970er und 1980er-Jahren entstanden, lässt sich die Besonderheit der Architektur erkennen.
BAUARBEITEN
Im April 1987 erfolgte der erste Spatenstich in der Großen Scharrnstraße. Das Vorzeige-Bauprojekt im Zentrum der Bezirkshauptstadt sollte rechtzeitig zu den Arbeiterfestspielen fertig werden, die 1988 im Bezirk Frankfurt stattfanden. Dafür galt es, spezielle Plattenelemente zu fertigen, neue Wohnungen, Ladenflächen und Gaststätten zu bauen, die Straße aufwändig zu pflastern sowie schließlich die Kunst im öffentlichen Raum anzubringen.
STADTPLANUNG
Unabhängig von der repräsentativen Funktion der Großen Scharrnstraße war es in Zeiten der Mangelwirtschaft höchst ambitioniert, so individuell, kleinteilig und aufwändig zu planen und zu bauen. Das außergewöhnliche Projekt und sein Gelingen begründen sich in der ambitionierten Vision des Büros für Stadtplanung mit seinem Chef, dem Stadtarchitekten Dr. Manfred Vogler.
BELEBUNGSKONZEPT
Früher Entwurf (Günther Hartzsch, Stadtplaner) und endgültiger Entwurf (Peter Sottmeier, Graphiker) für das Schild der ersten Frankfurter Pizzeria, eine der damals beliebten gastronomischen Besonderheiten in der neuen Fußgängerzone. Zur Gestaltung der Straße im Zuge der Nachverdichtung gehörte ebenfalls die künstlerische Ausgestaltung der Ausleger.